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Gesellschaftlich-politische Rahmenbedingungen einer sozial-ökologischen Transformation: Rechtspopulismen und neue soziale Disparitäten

 

Neu eingereichtes Thema

Autoren: Bernd Sommer (Europa-Universität Flensburg), Miriam Schad (TU Dortmund)

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Sozial-ökologische Dimensionen des Wohnens

 


Neu eingereichtes Thema

Autoren: Gisela Schmitt (RWTH Aachen), Jan Polívka (Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung)

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Einleitungstext

Nachhaltige Stadtentwicklung

 

Neu eingereichtes Thema

 

Autoren: Rainer Danielzyk (Akademie für Raumforschung und Landesplanung), Stefan Siedentop (Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung)

1. Sozial-ökologische Problemlagen

Die Urbanisierung mit ihren komplexen Wechselwirkungen und Dynamiken gilt als eine der bedeutendsten Erscheinungen der Globalisierung. Städte gelten als Kristallisationsorte des sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Wandels und als Orte des Fortschritts – sie gelten aber auch als Orte, an denen soziale Ungleichheit und ressourcenintensive Lebens- und Konsumstile sichtbar und baulich verfestigt sind. Städte sind für einen Großteil des weltweiten Ressourcenverbrauchs und der Treibhausgasemissionen verantwortlich, sie versprechen mit ihren größen- und dichtebedingten Effizienzvorteilen zugleich Beiträge zur Beantwortung der großen Zukunftsfragen der Menschheit. Das „Urban Age“ (Burdett and Sudjic 2007) prägt fundamental die Art und Weise des Wirtschaftens und Zusammenlebens von Menschen. Durch die räumliche Konzentration von Akteuren, Wissen, Infrastruktur und Kapital gelten große Metropolen und Stadtregionen als Orte der Innovation (Florida et al. 2017).
Die sozialräumlichen und baulich-physischen Ausprägungen der urbanen Raumentwicklung beeinflussen zugleich die Teilhabechancen und Lebensqualität der Menschen wie auch Art und Umfang der Ressourceninanspruchnahme. Städtische Siedlungsräume ökologisch nachhaltiger, sozial gerechter und infrastrukturell effizienter zu gestalten, ist daher eine der zentralen Aufgaben unserer Zeit. Das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung urbaner Räume erfährt derzeit als globales Narrativ (Habitat III, New Urban Agenda) eine besondere Aufmerksamkeit. Die Sustainable Development Goals (SDGs) greifen dies insbesondere mit dem SDG 11 auf und fordern eine inklusive, nachhaltige Stadtentwicklung, u.a. durch eine partizipatorische, integrierte und nachhaltige Siedlungsplanung, die Sicherung des Zugangs zu sicheren und inklusiven Grünflächen und öffentlichen Räumen und den Zugang zu sicherem und bezahlbarem Wohnraum und Transportsystemen. Auch der gesellschaftspolitische Diskurs zur nachhaltigen Transformation fokussiert auf urbane Räume (vgl. auch WBGU-Gutachten 2016) im Sinne eines „pro-urban policy concensus“ (Barnett/Purcell 2016). Allerdings werden die räumlichen, sozialen, ökologischen, ökonomischen und politischen Dynamiken in Städten und Stadtregionen sowie die damit verbundenen komplexen Wechselbeziehungen und Aushandlungsprozesse im politischen Mehrebenensystem vor dem Hintergrund veränderter institutioneller Rahmenbedingungen noch nicht ausreichend verstanden, so dass die politische und planerische Umsetzung einer nachhaltigen Stadtentwicklung häufig scheitert. Die lokale Interpretation, Deutung und Umsetzung einer der Nachhaltigkeit verpflichteten Stadtentwicklung ist eingebettet in ganz unterschiedliche gesellschafts- und planungskulturelle Kontexte. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass die ortsbezogene Realisierung einer nachhaltigen Stadtentwicklung abhängig ist von spezifischen Wahrnehmungsmustern, Werthaltungen und Traditionen, die ihre planerische Umsetzung beeinflussen.

2. Darstellung des Wissensstandes und der Forschungslücken

Nachhaltige Stadtentwicklung ist nur vorstellbar im Zusammenspiel mit dem Umland von Städten. Daher ist eine nachhaltige Stadt nur in einer nachhaltigen Stadtregion zu gestalten. Weiterhin ist das Handeln der Städte immer, auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit, von den rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen (Ge-/Verbote, finanzielle Anreize durch Fördermittel usw.) bestimmt. Insofern gilt es, Städte und Stadtregionen als eng miteinander verwobene Handlungsräume zu betrachten und dabei vor allem das Zusammenspiel verschiedener räumliche Ebenen und Arenen im Rahmen einer nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung stärker in den Blick zu nehmen (Multi-Level-Governance).


Der gesellschaftliche und wissenschaftliche Diskurs über eine nachhaltige „urbane Transformation“ fokussiert im Kontext aktueller Wachstumsdynamiken auf die Chancen und Grenzen der Innenentwicklung und die damit zusammenhängenden Fragen zu Flächenkonkurrenzen, urbanen Freiräumen sowie die Resilienz städtischer Strukturen. Hier kommt den Prozessen des Aushandelns und Implementierens von Strategien und Maßnahmen und den dabei involvierten Akteuren, Governance-Arrangements und Planungskulturen besondere Bedeutung zu. Dabei treffen Veränderungsdynamiken mit ganz unterschiedlichen Taktungen zusammen: hoch-dynamische ökonomische und soziale Prozesse und eine eher träge bauliche Physis, die nur punktuell und längerfristig verändert werden kann.
Im Kontext von nachhaltiger Stadtentwicklung spielen darüber hinaus Inklusion und Beteiligung eine große Rolle. Allerdings kommen zugleich zunehmend Grenzen der Beteiligung ins Blickfeld: In vielen Metropolen, aber auch sonstigen größeren Städten nimmt die Zahl der dort vertretenen Sprachen und Kulturen immer mehr zu. Auch die ambitioniertesten Beteiligungsansätze können dem nicht vollständig gerecht werden. Des Weiteren stellt sich die schwierige normativ-ethische Frage, ob wirklich alle das gleiche „Recht auf Stadt“ haben sollen/dürfen. In vielen deutschen Städten wird etwa ein „Recht auf Stadt“ auch für Obdachlose dringend eingefordert. Wenn diese aber ganze Plätze derartig besetzen, dass sich andere, etwa ältere Menschen, nicht mehr dorthin trauen, entsteht neue Exklusion.
Nachhaltige Stadtentwicklung steht also in einem engen Zusammenhang mit der Rolle von Governance und der Planungskultur, wie sich u.a. auch in der zunehmenden Bedeutung diskursiver, nicht-hierarchischer Steuerungsformen, die auf kollektive Selbststeuerung zielen, zeigt. Die in Deutschland bislang wenig überzeugende Umsetzung von kommunalen und regionalen Nachhaltigkeitskonzepten liegt offenbar auch an planungskulturellen Faktoren. In der Raum- und Planungsforschung wird dieser Feststellung seit einiger Zeit Rechnung getragen, indem Zugänge skizziert werden, die diese kulturell codierten Prägungen des planerischen Handelns näher beleuchten. Vereinfachend ausgedrückt beschreiben Planungskulturen das komplexe Zusammenspiel manifestierter (z. B. rechtliche Grundlagen, administrative Organisationsstrukturen, Planwerke, Strategien und Konzepte) und nicht manifestierter Elemente (z. B. individuelle und kollektive Wahrnehmungsmuster und internalisierte Handlungsmuster), die das Planungshandeln bestimmen. Die Aufarbeitung dieser komplexen Ausgangslage, die Erfassung des Wechselspiels von gebauter Umwelt und gesellschaftlichem Wandel unter Einbeziehung der Kulturen, Praktiken und Steuerungsfähigkeiten städtischer Akteure stellt eine Forschungslücke dar und ist eine wichtige Aufgabe der sozial-ökologischen Forschung. Im Rahmen einer so verstandenen Fokussierung der Raum- und Planungsforschung, die die Praktiken des planerischen Handels in ihrer gesellschafts- und planungskulturellen Verankerung beleuchtet, sollen kontextspezifische Erkenntnisse zu den Pfadabhängigkeiten, Narrativen und Aushandlungsprozessen nachhaltiger Entwicklung im urbanen Kontext generiert werden.

3. Beschreibung möglicher Forschungsfragen

Bei der Beschreibung möglicher Forschungsfragen geht es zum einen um integrierte Forschungsansätze, die das Thema in seiner Komplexität umfassend und inter- und transdisziplinär aufarbeiten, zum anderen sollte ein weiterer Schwerpunkt auf die im Zusammenhang mit einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu beobachtenden Prozesse und Akteursstrukturen fokussieren.

  • Welche Bedingungen und Einflussfaktoren prägen eine nachhaltige Herstellung und Weiterentwicklung von Stadt und welche Widersprüche zeigen sich? Zu betrachten wären hier u.a. auch das Verhältnis von Stadt und Stadtregion im Hinblick auf die verschiedenen Dimensionen der Nachhaltigkeit sowie die Möglichkeiten der Gestaltung einer nachhaltigen Stadt im Kontext von Multi-Level-Governance (etwa das Verhältnis von städtischen Handlungsansätzen und der Stadtentwicklungspolitik/Förderstrategien der Landes- und Bundesebene).
  • Wie lässt sich das Zusammenspiel von physisch-materiellen Aspekten (Morphologie/Materialität) der Stadtentwicklung und den dahinter liegenden Akteursstrukturen und Aushandlungsprozessen in ihrer kulturellen Gebundenheit verstehen?
  • Welche Governance-Arrangements und planungskulturellen Settings sind geeignet, um Kommunen eine nachhaltige Stadtentwicklung im Sinne des SDG11 zu ermöglichen, um z.B. Nutzungskonkurrenzen im Stadtraum zu verhandeln und dabei im Sinne einer inklusiven Stadtentwicklung in einer zunehmend diversifizierten Stadtgesellschaft alle Protagonisten zu erreichen?
  • Wie können unter den Bedingungen rasanter Urbanisierung Governance-Strukturen aufgebaut werden, die urbane Transformationen erfolgreich initiieren und steuern?
  • Welche institutionellen Strukturen oder besonderen Formate (wie etwa die der European Green Capital) können eine Umsetzung von SDG 11 und 13 verhindern oder befördern?

 

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