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Autoren: Gisela Schmitt (RWTH Aachen), Jan Polívka (Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung)

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Neu eingereichtes Thema

 

Autoren: Martina Winker, Engelbert Schramm, Jens Libbe, Jörg Oehlmann, Wilhelm Urban, Jan Trapp

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Einleitungstext

Ressourcenwende vorantreiben – Die Gestaltung einer ressourcenleichten Gesellschaft


Neu eingereichtes Thema

Autorinnen: Christa Liedtke, Jola Welfens, Melanie Speck, Carolin Baedeker, Katrin Bienge

1. Sozial-ökologische Problemlagen

Das menschliche Leben und Wirtschaften basiert auf natürlichen Ressourcen (abiotische und biotische Ressourcen inkl. ungenutzte Extraktion, Fläche, Boden, Biodiversität etc.) und Ökosystemdienstleistungen (genetische Vielfalt, medizinische Grundstoffe, Nahrungsmittel, Erholungs- und Lebensräume, Bau-, Grund- und Werkstoffe etc.). Die wachsende Menschheit beeinflusst die Ökosysteme der Erde in immer größerem Ausmaß und immer schnellerem Tempo. Viele der Ressourcen sind heutzutage übernutzt und überlastet. Die sozialen, wirtschaftlichen und ökosystemaren Folgen wie Hunger, Migration, Rohstoffknappheit, Degradation von landwirtschaftlichen Flächen, Klimawandel, der Verlust der Biodiversität etc. lassen sich heute kaum mehr übersehen. Die Daten zeigen, dass die planetarischen Grenzen in drei Bereichen – Klimawandel, Biodiversität und Stickstoffeintrag in die Biosphäre – bereits überschritten sind. Daraus wird deutlich: Der aktuelle Umgang mit Ressourcen ist nicht nachhaltig, unser ressourcenschweres Wirtschaftsmodell folglich nicht zukunftsfähig. Die Schonung der natürlichen Ressourcen und ein effizienter Umgang gehören deshalb zu den wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit und sollten mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verfolgt werden.
Industrieländer verbrauchen im Vergleich zu Entwicklungs- und Schwellenländern heute ein Vielfaches an Ressourcen. Zudem steigt der absolute Verbrauch natürlicher Ressourcen stetig an. Von 2000 bis 2030 wird eine Verdopplung der globalen Ressourcenextraktion erwartet. Ursache dafür ist das Wirtschaftswachstum sowie die Übernahme eines westlichen Lebensstils mit seiner enormen Nachfrage nach Produktions- und Konsumgütern. Diese Prozesse werden von der dynamisch fortschreitenden Digitalisierung von Produktion und Konsum sehr beschleunigt. Die Verbreitung von digitalen Techniken ist mit einem schnell steigenden Energie- und Ressourcenverbrauch verbunden. Zusätzlich zur Belastung der Umwelt zeigen Studien außerdem eine ebenfalls steigende psychische und physische Belastung der Menschen in der heutigen postmodernen Gesellschaft. Diese Probleme sind eng mit Symptomen eines nicht (mehr) umwelt- und menschengerechten Systems verbunden. Um Lösungen für diese Probleme zu finden, bedarf es daher ganzheitlicher Ansätze, die Fragen der Ressourcenverwendung im weitesten Sinne mit gesellschaftlichen Entwürfen verknüpfen. Wie die Ressourcenkommission am Umweltbundesamt (KRU) 2014 formulierte, sind an der heutigen Situation insbesondere folgende Aspekte höchst problematisch:

  • Selbst die heute gesetzten moderaten Ziele bezüglich der Begrenzung und angestrebten Entkopplung des fortgesetzten Wirtschaftswachstums von Ressourcen- und Flächennutzung werden bisher nicht erreicht. Ressourcengerechtigkeit besteht nicht.
  • Wertschöpfungnetze und Infrastrukturen wirken einander erhaltend und fördern den Ressourcenkonsum. Ressourcenintensive Lebensstile breiten sich beschleunigt aus.
  • Die Resilienz unserer Wirtschaft und ihrer Wertschöpfungsnetze ist im Sinne der nationalen und globalen Ressourcengerechtigkeit sowie Nachhaltigkeit unzureichend.
  • Bedeutend für die Transformation der aktuellen Gesellschaft, hin zu einer nachhaltigeren Zukunft, ist deshalb die Art der Ressourcennutzung.

2. Darstellung des Wissensstandes und der Forschungslücken

Nationale und internationale Diskussionen zur Ressourcenpolitik werden aktuell vor dem Hintergrund sich verschärfender ökologischer, ökonomischer, sozialer und politischer Probleme im globalen Maßstab geführt.

Wissenschaftlich besteht kein Zweifel daran, dass eine absolute Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch sowie das Schaffen einer ressourcenleichten Gesellschaft neben der Dekarbonisierung die Basis für eine Große Transformation Richtung Nachhaltigkeit darstellen. Diese Transformation ist eine notwendige Voraussetzung, um auch zukünftig innerhalb der planetarischen Grenzen leben und wirtschaften zu können. Die Vision der 8-Tonnen-Gesellschaft setzt hier an. Sie zielt auf eine nachhaltige, ressourcenleichte Wirtschaft und Gesellschaft, in der Produkte und Dienstleistungen hohe Lebensqualität bieten, global oder vor Ort fair produziert werden und die Umwelt schonen. Im Jahr 2050 verbraucht jeder Mensch dann acht Tonnen Natur im Jahr, statt 40 Tonnen in Deutschland oder statt andererseits zwei bis vier Tonnen, wie in den Entwicklungsländern Burundi, Ruanda oder Bangladesch. In diesem Kontext wird in der Politik und Praxis die Idee der Kreislaufwirtschaft (circular economy) diskutiert und zum Teil umgesetzt. Allerdings ist auch klar, dass die Kreislaufwirtschaft - mit ihren bisher überwiegend technisch dominierten Lösungsansätzen - nur ein Teil der Lösung sein kann. Eine Veränderung der Konsum- und Produktionsmuster (im Sinne des SDG 12), also eine Veränderung in den Köpfen ist notwendig, um eine ressourcenleichte Konsum- und Produktionskultur umzusetzen und zu etablieren.

Weitere Forschungslücken eröffnen sich bei der Beurteilung gesellschaftlicher Nischen-Phänome, wie sie auch im Bereich der Sharing Economy zu finden sind. Innovative Produkt-Dienstleistungssysteme und die damit verbundenen veränderten Praktiken müssen in Zukunft kritisch in Bezug auf ihren Beitrag zu einer ressourcenleichten Gesellschaft geprüft werden.

3. Beschreibung möglicher Forschungsfragen

Um eine Ressourcenwende vorantreiben zu können, bedarf es integrierter Forschungsansätze, die wirtschaftliche, ökologische und soziale Belange einbeziehen.
Es ergeben sich folgende Forschungsfragen, die auf die Bereiche Politik, Wirtschaft/Wissenschaft und Gesellschaft / NGO fokussieren und anhand dieser gegliedert sind:

Politik

  • Wie kann eine ressortübergreifende Zusammenarbeit politisch organisiert werden um Synergieeffekte auf verschiedenen Ebenen, Ressourcenschonung und eine Erhöhung der Ressourcenproduktivität in allen politischen Ressorts kohärent zu verorten?
  • Wie können die heutigen Indikatorensysteme dynamisiert und passgenauer gestaltet werden?
  • Wie kann das Thema einer ressourcenleichten Gesellschaft politisch besser kommuniziert werden?
  • Wie können Elemente einer Kreislaufwirtschaftsstrategie, wie z. B. das Abfallvermeidungsprogramm des Bundes und der Länder stärker mit Ressourceneffizienzstrategien verbunden werden?
  • Wie kann der Trend zur Digitalisierung aus der Nachhaltigkeitsperspektive flankiert werden?

Wirtschaft / Wissenschaft

  • Wie kann die Entwicklung von Geschäftsmodellen, die ressourcenleichte Produktions- und Konsumkulturen adressieren, schnell und unkompliziert gefördert werden? Das Augenmerk liegt dabei vor allem auf Innovationen, die ökonomisch verträglich und mittel- bis langfristig (auch ökonomisch) realisierbar sind.
  • Wie können Öko-Design bzw. die Kreislaufwirtschaft und deren Umsetzung besser in die Produktion integriert werden?
  • Wie können die Erfassungs- und Bewertungsmethoden des Ressourcenverbrauchs (Stichwort: ökologisch wahre Preise) weiter entwickelt und harmonisiert werden? Die bisherigen Ansätze dazu sind an Grenzen gestoßen: Neben methodischen Problemen die Natur zu monetarisieren, ließen sich vor allem auch gesellschaftliche, realökonomische und politische Akzeptanzbarrieren erkennen.
  • Wie kann Transparenz bezüglich der Ressourcenverbräuche in den Wertschöpfungsketten geschaffen werden?
  • Wie können transparente, international vergleichbare Datengrundlagen über Wertschöpfungsketten und Ressourceneinsparpotentiale geschaffen werden?

Gesellschaft / NGO

  • Wie könnte eine gesellschaftlich getragene Vision einer ressourcenleichten Gesellschaft aussehen, die z. B. über einen gestiegenen Zeitwohlstand aus sich heraus attraktiv wirkt, ohne von der Politik vorgegeben werden zu müssen?
  • Wie können Verbraucher/innen sowie Bürger/innen in Quartieren zur Mitgestaltung nachhaltigerer Konsummuster stärker motiviert und besser integriert werden?
  • Wie müssen Experimentierräume, die es den Menschen ermöglichen, an der Entwicklung sozio-technischer Innovationen teilzuhaben, gestaltet sein?
  • Wie können Ansätze der „Sharing Economy“ so gestaltet werden, dass sie einen Beitrag zur ressourcenleichten Gesellschaft leisten und noch stärker aus der Nische in den Mainstream gelangen?
  • Wie lassen sich integrierte Ansätze bezogen auf Mobilität, Wohnen und Ernährung so verstetigen, dass negative direkte und indirekte Reboundeffekte sichtbar und danach vermieden werden können?
  • Wie lassen sich nutzerintegrierte Ansätze z. B. der Reallaborforschung / Living Labs zur Diffusion ressourcenleichter Lebensstile v. a. in urbanen Regionen entwickeln? Welchen Beitrag können quartiersbezogene Ansätze zur Aktivierung von Haushalten im Zusammenspiel mit u. a. stadtplanerischen und wirtschaftsfördernden Akteuren leisten?

 

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